Sichere Strom­ver­sor­gung durch „Er­neu­er­ba­re“?

(M)eine Be­trach­tung

Abgesehen davon, daß die Be­zeich­nung „er­neu­er­ba­re“ Ener­gie sprach­lich un­sau­ber ist, es mü­ßte (nach mensch­li­chem Er­mes­sen) un­er­schöpf­li­che Ener­gie hei­ßen, stellt sich mir die Fra­ge, ob das ge­steck­te Ziel da­mit über­haupt zu er­rei­chen ist. Fol­gend ver­wen­de ich die Zah­len für 2018 aus dem sta­ti­sti­schen Jahr­buch 2019[1], das in der Form die letzte Aus­ga­be ist. Es gibt aber auch Zah­len für die fol­gen­den Jah­re, es soll hier aber gar nicht um die ab­so­lu­ten Zah­len ge­hen. Die­ser Bei­trag ist auch als Ant­wort zum Gäste­buch­ein­trag vom 11.5.2021 ent­stan­den.

Laut Sta­ti­sti­schem Bun­des­amt wur­den in Deutsch­land 2018 35 % Strom aus „er­neu­er­ba­ren“ Ener­gien er­zeugt, da­von 18 % Wind­kraft, 7 % Pho­to­vol­taik (fol­gend So­lar), zu­sam­men 25 % bzw. 161 TWh, 7 % Bio­mas­se, 3 % Was­ser­kraft und 1 % Haus­müll, zu­sam­men 11 % bzw. 71 TWh. Das sind zu­sam­men 36 %. Die übri­gen 65 % set­zen sich aus 23 % Braun-, 13 % Stein­koh­le, 13 % Erd­gas, 12 % Kern­ener­gie und 5 % Son­sti­ge zu­sam­men.[1] Das er­gibt ins­ge­samt 101 %, was der sel­ben Quel­le zu­fol­ge zu­sam­men 649 TWh (Te­ra­watt­stun­den) wa­ren. In ei­ner an­de­ren Ver­öf­fent­li­chung[2] des Sta­ti­sti­schen Bun­des­amts fin­den sich für 2018 et­was ab­wei­chen­de An­ga­ben, die zu­sam­men eine Brut­to­strom­er­zeu­gung von 637 TWh er­ge­ben. Zu den Ab­wei­chun­gen wäre das Sta­ti­sti­sche Bun­des­amt zu fra­gen. Zur Brut­to­strom­er­zeu­gung steht dort noch der Hin­weis „Brut­to-Elek­tri­zi­täts­er­zeu­gung ist die er­zeug­te elek­tri­sche Ar­beit, ge­mes­sen an den Ge­ne­ra­tor­klem­men.“ In der ZDF-Do­ku „Black­out – Hor­ror­sze­na­rio oder rea­le Ge­fahr?“[3] ist von ei­nem noch deut­lich schlech­te­ren An­teil „Er­neu­er­ba­rer“ die Rede. Man könn­te den Ein­druck ge­win­nen, daß das ZDF, das in den ver­gan­ge­nen Jah­ren wie der ge­sam­te ÖRR stets pro Ener­gie­wen­de ge­trom­melt hat, jetzt der Re­gie­rung von der Fah­ne geht. Fol­gend blei­be ich bei den 649 TWh, man soll­te aber be­den­ken, daß sich die Be­trach­tung bei 637 TWh wei­ter ver­schlech­tert. Seit 2003 wur­de in al­len Jah­ren mehr Strom aus Deutsch­land ex- als im­por­tiert, 2018 war die Dif­fe­renz 49 TWh.[4] Um die­sen Be­trag muß also der er­zeug­te Strom noch ver­rin­gert wer­den, so daß 600 TWh als tat­säch­li­cher Be­darf 2018 übrig blei­ben. Ei­gent­lich muß da­von auch noch der Ei­gen­be­darf der Kraft­wer­ke ab­ge­zo­gen wer­den. Der dürf­te bei Braun­koh­le­kraft­wer­ken den größ­ten An­teil aus­ma­chen, denn die­se be­trei­ben ent­we­der ei­ge­ne Ei­sen­bah­nen oder Band­an­la­gen für den Trans­port der Koh­le von der Gru­be ins Kraft­werk und auch Bag­ger und Ab­raum­för­der­brü­cken ver­brau­chen Strom. Stein­koh­le wird zwar noch ge­nutzt, aber in Deutsch­land nicht mehr ge­för­dert. Die Koh­le muß also mit Schif­fen oder der Ei­sen­bahn her­an­ge­bracht wer­den, was im Ver­kehr ver­bucht sein soll­te.

Bei Wasserkraft ist ein Zu­wachs nicht zu er­war­ten, denn für neue Was­ser­kraft­wer­ke feh­len ge­eig­ne­te Stand­or­te. Ein Ener­gie­zu­wachs ist auch beim Haus­müll nicht zu er­war­ten, denn die Müll­men­gen sol­len ver­nünf­ti­ger­weise ver­rin­gert wer­den. Wie­viel Zu­wachs bei Bio­mas­se noch mög­lich ist läßt sich schlecht ab­schät­zen. Mehr Bio­mas­se aus der Tier­auf­zucht wird nicht zu er­war­ten sein, je­den­falls nicht, wenn we­ni­ger tie­ri­sche Le­bens­mit­tel ver­braucht wer­den. Pflan­zen an­zu­bau­en, nur um dar­aus Bio­die­sel oder Al­ko­hol zu er­zeu­gen, hal­te ich auch für ver­fehlt, weil die da­für be­nö­tig­ten Flä­chen der übri­gen Land­wirt­schaft en­tzo­gen wer­den. Es lie­ße sich zwar et­was Flä­che frei­set­zen, wenn we­ni­ger Fleisch ge­ges­sen wer­den wür­de. Aber nein, ich bin nicht der An­sicht, daß ve­ge­ta­risch oder ve­gan eine ins­ge­samt ge­sun­de Er­näh­rung ist. Die Wahr­heit liegt ir­gend­wo da­zwi­schen. Sol­che Nutz­pflan­zen im Aus­land an­bau­en zu las­sen, ist auch nicht sinn­voll, denn da­mit wird dort die lo­ka­le Land­wirt­schaft ver­drängt und es fin­det jetzt schon ein glo­ba­ler Wett­be­werb um land­wirt­schaft­li­che Nutz­flä­chen statt. Nicht zu­letzt schlägt das auch auf die Prei­se durch. Au­ßer­dem ent­ste­hen zu­sätz­li­che Trans­por­te über grö­ße­re Ent­fer­nun­gen und neue Ab­hän­gig­kei­ten von wech­seln­den po­li­ti­schen La­gen. Bei­des trifft auch auf an­de­re Ar­ten zu, Ener­gie aus­wärts zu be­schaf­fen.

Bleiben noch Wind und So­lar, die zu­sam­men 25 % (161 TWh) aus­ma­chen. Das heißt, daß für den der­zei­ti­gen Strom­be­darf (Stand 2018) Wind und So­lar von 25 % auf 89 %, also auf das 3,56-fa­che aus­ge­baut wer­den müs­sen, um die her­kömm­li­chen Ener­gie­trä­ger voll­stän­dig zu er­set­zen. Laut Ko­ali­tions­ver­trag[5] der Bun­des­re­gie­rung 2021 soll im Jahr 2030 bei ei­nem bis da­hin wei­ter ge­stie­ge­nen Brut­to­strom­be­darf von 680 bis 750 TWh 80 % aus „er­neu­er­ba­ren“ Ener­gien stam­men. Mit 680 TWh ge­rech­net muß auf das 2,94-fa­che von 2018 (161 TWh) aus­ge­baut wer­den, mit 750 TWh so­gar auf das 3,18-fa­che, um auf 80 % zu kom­men. 2018 stan­den in Deutsch­land knapp 30.000 Wind­kraft­an­la­gen.[6] Um die übri­ge Strom­er­zeu­gung Stand 2018 (65 %) auf Wind­kraft (18 %) um­zu­stel­len, muß die­se Zahl also um gut 108.000 auf 138.000 An­la­gen er­höht wer­den. Mir ist da­bei durch­aus klar, daß die durch­schnitt­li­che Lei­stungs­fä­hig­keit der An­la­gen mit der Zeit steigt. Es stellt sich trotz­dem die Fra­ge wo­hin die gan­zen Wind- oder ggf. So­lar­an­la­gen ei­gent­lich sol­len. Wenn man sol­che An­la­gen statt in Deutsch­land im Aus­land bau­en will, wo sie oft­mals mehr Er­trag brin­gen wür­den, kommt au­ßer den schon er­wähn­ten neuen Ab­hän­gig­kei­ten noch der Fak­tor Trans­port bzw. der da­mit ver­bun­de­ne Wir­kungs­grad ins Spiel. Au­ßer­dem wird nie­mand teu­re An­la­gen in po­li­ti­sch un­si­che­re Ge­bie­te bau­en. Und es geht noch wei­ter …

Straßenverkehr

Ebenfalls beim Sta­ti­sti­schen Bun­des­amt sind Zah­len zum Ener­gie- und Kraft­stoff­ver­brauch zu fin­den.[7] Dem­nach wur­den 2018 Ot­to­kraft­stof­fe (Ben­zin) mit 952.308 TJ, da­von in pri­va­ten Haus­hal­ten 753.375 TJ, Die­sel­kraft­stof­fe mit 1.433.831 TJ, da­von pri­va­te Haus­hal­te 650.438 TJ Ener­gie ver­braucht. Zu­sam­men sind das 2.386.139 TJ. Heiz­öl, un­ter­teilt nach leicht und schwer, letz­te­res dürf­te die Schiffahrt sein, ist ge­son­dert aus­ge­wie­sen, also nicht da­rin ent­hal­ten. Auch Flug­tur­bi­nen­kraft­stoff (Ke­ro­sin) ist ge­son­dert aus­ge­wie­sen. Ent­hal­ten sein muß dem­nach aber der ge­sam­te übri­ge Land­ver­kehr ein­schließ­lich Ei­sen­bah­nen, Bun­des­wehr usw. so­wie klei­ne­re Po­sten wie Not­strom­ag­gre­gate in Kran­ken­häu­sern und der­glei­chen. Da ein 1 J = 1 Ws ist, er­gibt das für den ge­sam­ten Ben­zin- und Die­sel­ver­brauch 663 TWh. Soll der voll­stän­dig durch Elek­tro­mo­bi­li­tät, also durch Strom er­setzt wer­den, dann wer­den aus­ge­hend vom Stand 2018 = 600 TWh rech­ne­risch wei­te­re 152.000 Wind­kraft­an­la­gen be­nö­tigt, zu­sam­men 290.000. Man kom­me mir jetzt nicht mit dem bes­se­ren Wir­kungs­grad bei der E-Mo­bi­li­tät. Ein Elek­tro­mo­tor, der stets etwa gleich­blei­bend be­la­stet wird, hat einen Wir­kungs­grad von über 90 %, denn er kann recht ge­nau auf die vor­ge­se­he­ne Be­triebs­wei­se aus­ge­legt wer­den. Das ist bei den Mo­to­ren für E-Fahr­zeu­ge mit ih­ren schwan­ken­den Be­la­stun­gen nicht der Fall, denn man fährt ja nicht dau­ernd mit vol­ler Lei­stung. Hin­zu kommt noch, daß grö­ße­re Ma­schi­nen ten­den­ziell ohne­hin bes­se­re Wir­kungs­gra­de ha­ben, als klei­ne­re, weil der An­teil Ver­lu­ste nicht in glei­chem Maße zu­nimmt wie die Lei­stung. Dazu gibt es auf You­tu­be den recht in­te­res­san­ten Bei­trag „10 E-Mo­to­ren-Irr­tü­mer“.[8] Au­ßer dem durch die Be­triebs­wei­se be­ding­ten, schlech­te­ren Wir­kungs­grad der Mo­to­re kom­men aber auch noch die Wir­kungs­gra­de der Mo­tor-Steue­rung, des Ak­kus selbst und der La­de­ein­rich­tung des Ak­kus hin­zu. Man kennt das, denn es wird beim la­den mehr oder we­ni­ger warm. Die Ne­ben­wir­kun­gen wie Um­welt­ver­schmut­zung und Pro­duk­tions­be­din­gun­gen für die Ak­ku-Roh­stof­fe und de­ren be­grenz­te Ver­füg­bar­keit las­sen wir hier mal bei­sei­te. Streng­ge­nom­men kom­men noch die Über­tra­gungs­ver­lu­ste von der Strom­er­zeu­gung bis zur La­de­säu­le dazu. Die ein­zel­nen Wir­kungs­gra­de müs­sen mit­ein­an­der mul­ti­pli­ziert wer­den, um auf den Ge­samt­wir­kungs­grad zu kom­men. Über­schläg­lich kommt man in die glei­che Grö­ßen­ord­nung wie beim Ver­bren­nungs­mo­tor. Im Netz fin­den sich beim TÜV Nord für das ak­ku­be­trie­be­ne E-Au­to 64 %, es steht aber nicht dort, wel­che Ver­lu­ste be­rück­sich­tigt wur­den und wel­che nicht. E-Fahr­zeu­ge mit Brenn­stoff­zel­le er­rei­chen dem­nach noch schlech­te­re Wir­kungs­gra­de, die nicht bes­ser als die des Ver­bren­ners sind. Der durch­schnitt­li­che Ge­samt-Wir­kungs­grad ei­nes E-Fahr­zeugs lie­ße sich ver­glei­chen, in­dem man die elek­tri­sche Ener­gie für die Volla­dung des Ak­kus ins Ver­hält­nis zur zu­rück­ge­leg­ten Ent­fer­nung setzt. Das­sel­be lie­ße sich beim Ver­bren­ner be­rech­nen, in­dem man mit dem Ener­gie­in­halt je Li­ter Kraft­stoff rech­net. Um zu ei­ner Grö­ßen­ord­nung zu kom­men, wie­viele Wind­rä­der als Er­satz be­nö­tig wür­den, ge­nügt das. Wenn man das nicht 1:1 gleich setzt, wie ich es oben ge­tan habe, wä­ren bei sa­gen wir 64 % zu 33 % beim Ver­bren­ner nur noch 78.000 zu­sätz­li­che Wind­kraft­an­la­gen er­for­der­lich.

Wieviele Wind­rä­der er­for­der­lich wer­den, wenn die übri­gen Ener­gie­trä­ger für Ver­kehrs­zwe­cke und für an­de­re Be­rei­che auch noch durch Wind­kraft­an­la­gen er­setzt wer­den sol­len, kann je­der selbst aus­rech­nen. In der oben ge­nann­ten ZDF-Do­ku kommt dazu die in­te­res­san­te Aus­sa­ge, daß al­leine die Um­stel­lung der che­mi­schen In­du­strie von an­de­ren Ener­gie­trä­gern auf Strom die elek­tri­sche Ener­gie er­for­dern wür­de, die Deutsch­land 2018 ins­ge­samt ver­braucht hat, näm­lich 600 TWh. Und auch das ist noch nicht das Ende …

Hochspannungsleitungen

Herkömmliche Kraft­wer­ke wur­den ent­we­der in der Nähe der Groß­ver­brau­cher oder in der Nähe der Koh­le­gru­ben ge­baut, um die Über­tra­gungs- bzw. Trans­port­ver­lu­ste mög­lichst ge­ring zu hal­ten. Es ist be­kannt, daß die mei­sten Wind­kraft­an­la­gen in Nord­deutsch­land[6][9] ste­hen, ob­wohl ein Groß­teil der In­du­strie­be­trie­be in West- und Süd­deutsch­land zu fin­den sind. Des­halb muß das Strom­netz aus­ge­baut wer­den, um die Ener­gie von Nord nach Süd zu be­för­dern. Auch da­bei tre­ten Ver­lu­ste auf. Jede Lei­tung hat durch den Wi­der­stand der Lei­ter ohm­sche, durch de­ren Ei­gen­in­duk­ti­vi­tät in­duk­ti­ve und durch die Ka­pa­zi­tät der Lei­ter un­ter­ein­an­der ka­pa­zi­ti­ve Ver­lu­ste. Au­ßer­dem tre­ten Ver­lu­ste durch Ko­ro­na-Ent­la­dun­gen auf, denn bei sehr ho­hen Span­nun­gen wird die Feld­stär­ke zwi­schen den Lei­tern so groß, das die Luft et­was io­ni­siert und da­mit schwach leit­fä­hig wird. Die in­duk­ti­ven und ka­pa­zi­ti­ven Ver­lu­ste kann man bei Gleich­span­nungs­über­tra­gung ver­mei­den, die ohm­schen mit Su­pra­lei­tern, wo­bei wie­der Ener­gie ver­braucht wird, um die Su­pra­lei­tung auf­recht zu er­hal­ten. Mei­nes Wis­sens ist das über das Ver­suchs­sta­dium nicht hin­aus ge­kom­men. Es ist auch auf­wen­di­ger, wes­halb Wech­sel­strom-Hoch­span­nungs-Frei­lei­tun­gen wirt­schaft­li­cher sind. 2021 wur­de eine durch die Nord­see ver­leg­te und Nord­link[10] ge­nann­te Hoch­span­nungs-Gleich­strom­stre­cke nach Nor­we­gen in Be­trieb ge­nom­men. Weil so­gar in den FAQ dort an­ge­ge­ben ist, daß sich die Ka­bel er­wär­men, habe ich per E-Mail nach dem Wir­kungs­grad ge­fragt, dazu aber kei­ner­lei Ant­wort be­kom­men. Ohne­hin wer­den die mei­sten Hoch­span­nungs­lei­tun­gen mit Wech­sel­strom be­trie­ben. Au­ßer den Lei­tun­gen selbst ha­ben auch die Trans­for­ma­to­ren einen end­li­chen Wir­kungs­grad, der bei gro­ßen Trans­for­ma­to­ren bei etwa 99 % liegt. In der Ket­te vom Kraft­werk bis zum Ver­brau­cher sind al­ler­dings meh­re­re Trans­for­ma­to­ren vor­han­den. Min­de­stens vom Kraft­werk zur Hoch­span­nungs­lei­tung, von dort zum Mit­tel­span­nungs­netz, das frü­her 10 kV, heu­te meist 20 kV hat, und von dort auf das lo­ka­le 400/230-V-Netz. Im sta­ti­sti­schen Jahr­buch 1999 sind für 1997 20 TWh Ver­lu­ste bei ei­ner Ge­samt-In­lands­ver­sor­gung von 502 TWh an­ge­ge­ben, was etwa 4 % sind. Bei Wi­ki­pe­dia sind „bei den in Mit­tel­eu­ro­pa üb­li­chen mitt­le­ren Ent­fer­nun­gen zwi­schen Ver­brau­cher und Kaft­werk ca. 6 % Ge­samt­über­tra­gungs­ver­lust“[11] an­ge­ge­ben, der den der Trans­for­ma­to­ren ein­schließt. An­ge­nom­men, die Lei­tun­gen hät­ten we­gen der im Mit­tel wei­ter stei­gen­den Ent­fer­nun­gen 10 % Ver­lu­ste, dann kom­men am Ende noch 90 % an. Das sind aber die 100 %, die ver­braucht wer­den sol­len. Also müs­sen am An­fang der Lei­tung 100/90 = 111 % Lei­stung er­zeugt wer­den. Auf Wind­rä­der um­ge­rech­net sind das statt 138.000 Wind­rä­dern 153.000 bzw. statt 290.000 Wind­rä­dern 322.000. Wer auf­ge­paßt hat, mü­ßte jetzt ein­wen­den, daß die 18 % Wind­strom ja schon Brut­to sind. Aber es geht ja noch wei­ter …

Speicher

Aus der in­stal­lier­ten Lei­stung und der tat­säch­li­chen Einspeisung[6] der Wind­ener­gie­an­la­gen läßt sich de­ren durch­schnitt­li­che Aus­la­stung er­rech­nen, wo­raus sich die fol­gen­de Ta­bel­le er­gibt. Die An­zahl An­la­gen 2021 habe ich weg­ge­las­sen, weil man die Er­he­bungs­grund­la­ge ge­än­dert hat.

ABCDEFG
JahrInstallierte
Leistung
GW
Einspeisung

TWh
C/B

h
D/8760h*100
8760 h = 1 Jahr
%
Anzahl
Anlagen
B/F*1000
Ø
MW
20006,19,5155717,893590,65
20018,810,5119313,6114380,77
200212,016,1134215,3137590,87
200314,619,1130814,9153870,95
200416,626,0156617,9165431,00
200518,427,8151117,2175741,05
200620,631,3151917,3186851,10
200722,240,5182420,8194601,14
200823,941,4173219,8203011,18
200925,839,4152717,4211641,22
201027,238,6141916,2216071,26
201129,149,9171519,6222971,31
201231,051,7166819,0230301,35
201333,752,7156417,9236451,43
201438,158,5153517,5248671,53
201541,780,6193322,1259801,61
201645,979,2172519,7272701,68
201750,8105,7208123,8286751,77
201852,9111,4210624,0292131,81
201953,9125,9233626,7294561,83
202054,9131,9240327,4296081,85
202156,1122,4218224,9
Durchschnitt:19,6

Das bedeutet, daß die Wind­ener­gie­an­la­gen bei et­was stei­gen­der Ten­denz im Mit­tel nur ein Fünf­tel des­sen ins Netz ge­speist ha­ben was sie ei­gent­lich könn­ten, wenn dau­ernd aus­rei­chend Wind we­hen wür­de und das Netz aus­rei­chend aus­ge­baut wäre. Man könn­te auch sa­gen, daß man fünf Kraft­wer­ke ge­baut hat, ob­wohl nur eins be­nö­tigt wird, Re­ser­ven mal au­ßen vor ge­las­sen. Son­der­lich ef­fek­tiv ist das nicht. Bei So­lar dürf­te die Bi­lanz, be­son­ders im Win­ter, noch deut­lich schlech­ter sein, da das nachts ganz aus­fällt. Die Schwan­kun­gen sind auf den un­ste­tig we­hen­den Wind, die stei­gen­de Ten­denz dürf­te haupt­säch­lich auf den zu­neh­men­den An­teil Off­shore-An­la­gen, evtl. auch etwas auf die zu­neh­men­de Grö­ße der An­la­gen zu­rück­zu­füh­ren sein. Des­halb läßt sich auch nichts we­sent­li­ches dar­an än­dern. Es könn­te aber auch der Kli­ma­wan­del eine Rol­le spie­len, wenn mehr Wind weht als früher. Im­mer­hin hat sich die durch­schnitt­li­che Lei­stungs­fä­hig­keit der Wind­ener­gie­an­la­gen im ab­ge­bil­de­ten Zeit­raum etwa ver­drei­facht. In­te­res­sant wäre wie weit sich das noch stei­gern läßt.

Bei der Strom­ver­sor­gung gibt es den Be­griff „ge­sich­er­te Lei­stung“. Da­mit ist die Lei­stung ge­meint, die Er­zeu­gungs­an­la­gen zu­ver­läs­sig und dau­er­haft zur Ver­fü­gung stel­len kön­nen. Das ist also nicht das, was sich aus der Ta­bel­le oben er­gibt. Wind und So­lar lie­fern fast kei­ne ge­sich­er­te Lei­stung, weil Wind von ei­nem Tag auf den an­de­ren, nachts oft ohne­hin, nach­läßt bzw. aus­fällt (Flau­te) und die Son­ne auch nicht zu­ver­läs­sig (auf den Erd­bo­den) scheint, nachts gar nicht. In der oben ge­nann­ten ZDF-Do­ku gibt es dazu die Aus­sa­ge, daß es seit 2015 al­leine drei mal vor­kam, daß über 200 Stun­den bzw. 8 Tage we­der Wind noch Son­ne zur Ver­fü­gung stan­den. Zu kür­ze­ren Pe­ri­oden gibt es kei­ne Aus­sa­ge, sie wer­den je­doch häu­fi­ger vor­kom­men. Um mit Wind und So­lar eine ge­sich­er­te Lei­stung zur Ver­fü­gung zu stel­len, wür­den Spei­cher ge­braucht. Die sind aber nicht da. In der Doku gibt es dazu die An­ga­be, daß alle vor­han­de­nen Spei­cher zu­sam­men­ge­nom­men (40 GWh) ge­nü­gen wür­den, um Deutsch­land je nach ak­tu­el­lem Strom­ver­brauch für 30 bis 60 Mi­nu­ten zu ver­sor­gen. Rech­ne­risch er­ge­ben sich bei 8760 h / (600 TWh / 40 GWh) = 0,584 h bzw. 35 min. Hin­zu kommt aber auch hier wie­der der Wir­kungs­grad. Das in der ZDF-Do­ku als Bei­spiel ge­nann­te Pump­spei­cher­werk Ho­hen­war­te II er­reicht dem­nach bis zu 70 % Wir­kungs­grad. Mo­der­ne­re An­la­gen wie das Pump­spei­cher­werk Gol­dis­thal er­rei­chen Wir­kungs­gra­de über 80 %. So ein Pump­spei­cher­werk ist bei Vollast in we­ni­gen Stun­den leer. Die­se An­la­gen sind auch nicht da­für ge­baut wor­den, län­ger­fri­stig die Strom­ver­sor­gung si­cher­zu­stel­len, son­dern dazu, die Tag-Nacht­schwan­kun­gen beim Strom­ver­brauch aus­zu­glei­chen, weil nicht alle In­du­strie­be­trie­be drei­schich­tig ar­bei­ten. Auch Pump­spei­cher­wer­ke kön­nen nicht be­lie­big ge­baut wer­den, denn man braucht ein Ober­be­cken mit aus­rei­chend Fas­sungs­ver­mö­gen und ein ge­nü­gend gro­ßes Ge­fäl­le vom Ober­be­cken zum gleich gro­ßen Un­ter­be­cken oder ei­nem grö­ße­ren Fluß. Es gibt aber nicht ge­nü­gend ge­eig­ne­te Stand­or­te in Deutsch­land.

Im elektrischen Netz muß die ein­ge­spei­ste Lei­stung stets ge­nau so groß sein wie die ver­brauch­te zu­züg­lich al­ler Ver­lu­ste. Wenn mehr Lei­stung ent­nom­men als ein­ge­speist wird, dann sinkt die Netz­fre­quenz und um­ge­kehrt. Wenn Wind oder Son­ne nach­las­sen, muß das also so­fort durch an­de­re Kraft­wer­ke aus­ge­gli­chen wer­den. We­gen der feh­len­den Spei­cher müs­sen des­halb stets ge­nü­gend kon­ven­tio­nel­le Kraft­wer­ke so in Be­trieb ge­hal­ten wer­den, daß sie in­ner­halb we­ni­ger Stun­den Lei­stung oder eine hö­he­re Lei­stung ins Netz spei­sen kön­nen. Sie kön­nen also nicht ganz her­un­ter­ge­fah­ren wer­den, auch wenn sie ei­gent­lich ge­ra­de nicht ge­braucht wer­den. Kon­ven­tio­nel­le Kraft­wer­ke kön­nen teil­wei­se im Last­fol­ge­be­trieb ge­fah­ren wer­den. Das heißt, daß sie ihre Lei­stung wäh­rend des Be­trie­bes dros­seln kön­nen, teil­wei­se bis auf 40 % der Nenn­lei­stung. Für den Be­trei­ber sin­ken da­bei al­ler­dings die Ein­nah­men, ob­wohl nur die Brenn­stoff­ko­sten et­was sin­ken. Die übri­gen Be­triebs­ko­sten blei­ben in etwa gleich. Das macht eine sol­che Be­triebs­wei­se un­wirt­schaft­lich, die so er­zeug­te Ki­lo­watt­stun­de wird also teu­er. Auch das wird auf den Strom­preis um­ge­legt. Es setzt au­ßer­dem vor­aus, daß über­haupt noch ge­nü­gend kon­ven­tio­nel­le Kraft­wer­ke vor­han­den sind.

Als das Heil­mit­tel wird der­zeit der Was­ser­stoff dar­ge­stellt, her­ge­stellt durch Elek­tro­ly­se, also mit Strom. Au­ßer­dem wer­den bio­lo­gi­sche Ver­fah­ren er­forscht, bei de­nen Mi­kro­or­ga­nis­men ver­wen­det wer­den sol­len, die in der Lage sind Was­ser in sei­ne Be­stand­tei­le zu zerlegen.[20] Der Wir­kungs­grad der Elek­tro­ly­se er­reicht lt. Wi­ki­pe­dia bis zu 85 %. Die Fra­ge ist dann je­doch noch, wie die Ener­gie im Was­ser­stoff wie­der in Strom um­ge­wan­delt wer­den soll. Sie kann per Brenn­stoff­zel­le di­rekt in Strom um­ge­wan­delt wer­den, je­doch liegt de­ren Wir­kungs­grad lt. Wi­ki­pe­dia zwi­schen 40 % und 60 %, was im gün­stig­sten Fall (0,85 * 0,6 = 0,51) 51 % Ge­samt-Wir­kungs­grad er­gibt. Eine an­de­re, be­reits prak­ti­zier­te Mög­lich­keit ist, den Was­ser­stoff dem Erd­gas bei­zu­mi­schen, in­dem er in die be­ste­hen­den Gas­lei­tun­gen ein­ge­speist wird. Ver­mut­lich könn­te man auch auf Was­ser­stoff aus­ge­leg­te Gas­tur­bi­nen bau­en, denn vom Erd­gas will man ja letzt­end­lich auch weg. Gas-Kom­bi-Kraft­wer­ke, die au­ßer den Gas­tur­bi­nen noch einen Dampf­er­zeu­ger und Dampf­tur­bi­nen ha­ben, er­rei­chen lt. Wi­ki­pe­dia bis 60 % Wir­kungs­grad.[13] Die­se Kom­bi­kraft­wer­ke sind al­ler­dings nur be­dingt da­für ge­eig­net, um da­mit Last­spit­zen ab­zu­fan­gen. Rei­ne Gas­kraft­wer­ke, mit de­nen das mög­lich ist, ha­ben deut­lich schlech­te­re Wir­kungs­gra­de. Das Re­chen­bei­spiel, wie­viele Wind­rä­der zum Aus­gleich des Wir­kungs­gra­des zu­sätz­lich be­nö­tigt wer­den, spa­re ich mir jetzt. In­te­res­sant ist aber die Fra­ge, wie­viel Zeit man sich gibt, um die Spei­cher wie­der auf­zu­fül­len, wenn es denn der­einst ge­nü­gend Spei­cher gibt. Sind es acht Tage? Dann wür­den un­ter Ver­nach­läs­si­gung des Ge­samt-Wir­kungs­gra­des al­ler Spei­cher dop­pelt so­vie­le Wind­kraft­an­la­gen be­nö­tigt wie ohne­hin schon, weil in den acht Ta­gen der nor­ma­le Ver­brauch ja wei­ter­läuft. Sind es 32 Tage, also vier­mal so­lan­ge wie die zu über­brü­cken­de Aus­fall­zeit, dann wür­den nur 25 % mehr Wind­rä­der ge­braucht, die auf den Wir­kungs­grad der Spei­cher noch oben drauf­kom­men.

Nun kann man noch ein­wen­den, daß Deutsch­land ja auch bis­her schon über­schüs­si­gen (Wind-) Strom ins Aus­land ver­kauft und bei Eng­päs­sen wel­chen aus dem Aus­land be­zo­gen hat. Dazu dient auch die oben ge­nann­te Ver­bin­dung nach Nor­we­gen. Man liest zu­wei­len, daß bei der Ab­ga­be ins Aus­land nicht etwa Ein­nah­men er­zielt wür­den, son­dern teils noch drauf­ge­zahlt wer­den muß, aber das scheint über al­les ge­se­hen nicht zu stim­men. Trotz­dem scheint es mir ver­fehlt, die Sta­bi­li­tät der ei­ge­nen Ener­gie­ver­sor­gung da­von ab­hän­gig zu ma­chen, daß an­de­re Län­der kurz­fri­stig grö­ße­re Strom­men­gen ab­neh­men oder lie­fern kön­nen. Das be­deu­tet näm­lich, daß das übri­ge Eu­ro­pa zur Ver­fü­gung zu ste­hen hat, da­mit Deutsch­land sei­ne selbst ge­mach­ten Pro­ble­me mit der Strom­ver­sor­gung aus­glei­chen kann.

Zeitraum

Oben sind nur über­schläg­lich er­mit­telt fast zehn mal so­vie­le Wind­kraft­an­la­gen zu­sam­men­ge­kom­men, ob­wohl noch meh­re­re Be­rei­che in der Be­trach­tung feh­len. Aus der An­zahl der in den Jah­ren 2000 und 2020 vor­han­de­nen An­la­gen er­gibt sich, daß im Mit­tel 1013 An­la­gen im Jahr da­zu­ge­kom­men sind. Rech­net man das li­ne­ar hoch, so wer­den die noch be­nö­tig­ten 290.000 An­la­gen – wie­der un­ter Ver­nach­läs­si­gung der im Mit­tel stei­gen­den Lei­stung der An­la­gen – in 286 Jah­ren, also im Jahr 2306 er­reicht sein. Selbst wenn man es schaf­fen soll­te, die Rate zu ver­dop­peln, er­ge­ben sich im­mer­noch 143 Jah­re. Man will aber bis 2038 aus der Koh­le ganz und mög­lichst schnell auch aus al­len übri­gen fos­si­len Ener­gie­trä­gern aus­stei­gen, um 2045 „kli­ma­neu­tral“ zu sein.[18] An der Be­trach­tung än­dert sich auch nichts we­sent­lich, wenn man statt Wind- mehr So­lar­an­la­gen bau­en will. Da­bei wür­de al­ler­dings der Flä­chen­ver­brauch um ei­ni­ges zu­neh­men.

Nebenwirkungen?

Bisher hatte vie­les, was der Mensch er­fun­den hat, mehr oder we­ni­ger gro­ße Ne­ben­wir­kun­gen. Auch die jetzt ver­ru­fe­ne Kern­ener­gie wur­de mal als sau­be­re Lö­sung al­ler Ener­gie­pro­ble­me dar­ge­stellt. Was die „Er­neu­er­ba­ren“ an­geht, ist de­ren Pro­ta­go­ni­sten bis hin zum ÖRR und zur Wi­ki­pe­dia eher nicht zu trau­en.

Zum Wasserstoff ist haupt­säch­lich et­was zu den mit Trans­port und Ver­wen­dung ver­bun­de­nen Ge­fah­ren zu fin­den, je­doch kaum zu de­nen bei der Her­stel­lung. Bei der Ver­bren­nung dürf­te, wenn da­bei Tem­pe­ra­tu­ren über 1000° er­reicht wer­den, wie beim Ver­bren­nungs­mo­tor noch Stick­oxyd ent­ste­hen, da ja mit Luft und nicht mit rei­nem Sau­er­stoff ge­ar­bei­tet wird. Wel­che Ne­ben­wir­kun­gen hat die Was­ser­stoff­her­stel­lung durch Elek­tro­ly­se, wenn das im gro­ßen Maß­stab be­trie­ben wird? Laut Wi­ki­pe­dia ent­steht je nach Ver­fah­ren und dem für die Elek­tro­den ver­wen­de­ten Ma­te­rial au­ßer Was­ser- und Sau­er­stoff noch Ozon. Bei ei­ni­gen Elek­tro­ly­se­ver­fah­ren wird ein Elek­tro­lyt ver­wen­det und je nach Ver­fah­ren wer­den ver­schie­de­ne Ma­te­ria­le für die Elek­tro­den be­nö­tigt. Sind die be­nö­ti­gen Ma­te­ria­lien aus­rei­chend ver­füg­bar und was ge­schieht da­mit nach der Ver­wen­dung?

Zu den mit bio­lo­gi­schen Ver­fah­ren zur Was­ser­stoff­ge­win­nung mög­li­cher­wei­se ver­bun­de­nen Ge­fah­ren ist nicht viel zu fin­den. Es gibt je­doch die Be­fürch­tung, daß sich für die­se Zwe­cke her­an­ge­züch­te­te Mi­kro­or­ga­nis­men, die so ro­bust sind, daß sol­che Ver­fah­ren im gro­ßen Maß­stab wirt­schaft­lich nutz­bar sind, ver­selb­stän­di­gen kön­nen. Es wird be­fürch­tet, daß sie all­mäh­lich den ge­sam­ten Was­ser­vor­rat in Was­ser­stoff um­wan­deln könn­ten, nach­dem sie erst­mal frei­ge­setzt wor­den sind. Dem­nach sei Was­ser­stoff so flüch­tig, daß er aus der At­mo­sphä­re in den Welt­raum ab­ge­ge­ben wer­den wür­de, was lang­fri­stig zum Ver­lust des Was­sers auf der Erde füh­ren wür­de. Wie rea­li­stisch das ist, kann ich nicht be­ur­tei­len. Da­ge­gen spricht zu­nächst mal, daß min­de­stens ei­ni­ge der Mi­kro­or­ga­nis­men un­ter Sau­er­stoff­ein­wir­kung (Luft) die Was­ser­stoff­her­stel­lung ein­stel­len.

Daß Wind­ener­gie­an­la­gen Vö­geln zum Ver­häng­nis wer­den, ist all­ge­mein be­kannt, man kann dazu mal eine Falk­ne­rei be­su­chen. Sie ste­hen in­zwi­schen aber auch im Ver­dacht, das Wet­ter lo­kal zu be­ein­flus­sen. Es gibt so ei­ni­ge Web­sei­ten zu dem The­ma, bei­spiels­wei­se beim MDR.[14] Wenn ich dort al­ler­dings vom „men­schen­ge­mach­ten Kli­ma­wan­del“ lese, habe ich Zwei­fel an der Ob­jek­ti­vi­tät und Un­ab­hän­gig­keit, denn auch die­se Fra­ge ist ent­ge­gen den ÖRR-Dar­stel­lun­gen nicht ab­schlie­ßend ge­klärt. Das heißt aber nicht au­to­ma­tisch, daß die Dar­stel­lung falsch ist. Bis­her wird meist be­tont, daß es nur ge­ring­fü­gi­ge Aus­wir­kun­gen gäbe, haupt­säch­lich ge­rin­ge nächt­li­che Tem­pe­ra­tur­er­hö­hun­gen am Bo­den, die auf die Ver­wir­be­lung der Luft zu­rück­zu­füh­ren sei­en. Den Wind­kraft­an­la­gen wird teils auch zu­ge­schrie­ben, für Tro­cken­heit mit­ver­ant­wort­lich zu sein. Ob sich das be­stä­tigt, bleibt ab­zu­war­ten. Der At­mo­sphä­re wird aber Ener­gie en­tzo­gen, auch wenn die spä­ter groß­teils wie­der als Wär­me ab­ge­ge­ben wird. Der Ener­gie­ent­zug ist um den Fak­tor Wir­kungs­grad der An­la­ge selbst hö­her als de­ren ab­ge­ge­be­ne elek­tri­sche Lei­stung. Au­ßer­dem kann in den Wir­bel­schlep­pen, die sich hin­ter Wind­rä­dern bil­den, die Luft­feuch­tig­keit kon­den­sie­ren. 2011 gab es mal einen Preis für ein ent­spre­chen­des Foto.[21] Un­ge­klärt ist auch noch die Ver­wen­dung der Ro­tor­blät­ter aus­ge­mu­ster­ter Wind­kraft­an­la­gen, die aus Ver­bund­werk­stof­fen be­ste­hen, die sich bis­her nicht sinn­voll wei­ter ver­wen­den las­sen. Auch hier­zu wird man im Netz fün­dig. Es lau­fen bis­her nur Ver­su­che oder die An­la­gen wer­den, wenn mög­lich, kom­plett ins Aus­land ver­kauft. In der Kri­tik steht auch das in den Schalt­an­la­gen der Wind­kraft­an­la­gen ver­wen­de­te Iso­lier­gas Schwe­fel­he­xa­fluo­rid, kurz SF6.[22]

Bei Ne­ben­wir­kun­gen muß man auch an die Ko­sten den­ken, vor al­lem an­ge­sichts der Tat­sa­che, daß Deutsch­land jetzt schon mit die höch­sten Strom­prei­se welt­weit hat. Ak­tu­ell lie­gen bei den Prei­sen für Haus­hal­te nur Ber­mu­da und Dä­ne­mark dar­über, bei de­nen für Un­ter­neh­men Ita­lien und Bur­ki­na Faso.[15][16] Ne­ben­wir­kung wei­ter stei­gen­der Strom­prei­se ist auch, daß noch mehr In­du­strie ins Aus­land ab­wan­dert. Ne­ben­bei be­merkt ist das CO2, das bei der Her­stel­lung al­ler aus dem Aus­land be­zo­ge­nen Pro­duk­te ent­steht, ei­gent­lich Deutsch­land zu­zu­rech­nen. Die Ge­samt-CO2-Bi­lanz dürf­te sich bei Ver­la­ge­run­gen ins Aus­land ver­schlech­tern.

Blackout?

Trotz des all­mäh­li­chen An­stiegs des An­teils „Er­neu­er­ba­rer“ muß­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren als Er­satz für vom Netz ge­gan­ge­ne Atom- und Koh­le­kraft­wer­ke Erd­gas-Kraft­wer­ke ge­baut wer­den. Man nennt das Brü­cken­tech­no­lo­gie zur Über­brückung bis al­les durch „Er­neu­er­ba­re“ er­setzt wäre. Die Erd­gas­spei­cher sol­len zwar bis zum Win­ter ge­füllt sein, je­doch heißt es, daß die da­rin ge­spei­cher­te Men­ge nicht für den gan­zen Win­ter reicht. Bis­her wur­de ein Groß­teil des Erd­gases aus Ruß­land im­por­tiert. Durch die Gas­lei­tung Nord­stream I kommt aber zur Zeit kein Gas und der­zeit weiß nie­mand wie das wei­ter­geht. Die fer­tig­ge­stell­te Nord­stream II soll aus grün-ideo­lo­gi­schen Grün­den, auf Druck der USA und we­gen der Ruß­land-Sank­tio­nen nicht in Be­trieb ge­nom­men wer­den (Stand 20.9.2022). Auch will man sich aus der Ab­hän­gig­keit lö­sen, be­gibt sich aber in an­de­re, selbst­ver­ständ­lich nur bei lu­pen­rei­nen De­mo­kra­ten. Die Sank­tio­nen sind ei­gent­lich wi­der­sin­nig, denn sie be­sche­ren Ruß­land we­gen der da­durch ge­stie­ge­nen Öl- und Gas­prei­se Mehr­ein­nah­men in Mil­liar­den­hö­he, mit de­nen man treff­lich den Krieg ge­gen die Ukrai­ne fi­nan­zie­ren kann. Um­welt­schäd­lich sind sie mög­li­cher­wei­se auch noch, denn Ruß­land muß über­schüs­si­ges Erd­gas zur Zeit ab­fa­ckeln, weil man den Gas­hahn da­bei nicht ein­fach zu­dre­hen kann. In­zwi­schen wur­den die Nord­stream-Pipe­lines ge­sprengt, Re­pa­ra­tur völ­lig of­fen. Preis­fra­ge: Wer hat ein In­te­res­se an der Un­ter­bre­chung und wa­rum? Jetzt stellt sich die Fra­ge, ob im kom­men­den Win­ter ge­nü­gend Gas aus an­de­ren Quel­len ver­füg­bar ist oder ob man Gas­kraft­wer­ke we­gen Brenn­stoff­man­gel ab­schal­ten muß.

Meine Ein­schät­zung zu dro­hen­den Strom­aus­fäl­len ist, daß man ggf. ge­zielt gan­ze Re­gio­nen ab­schal­ten wird, um einen voll­stän­di­gen Black­out zu ver­hin­dern. DDR-Bür­ger wer­den sich viel­leicht noch an den Ka­ta­stro­phen­win­ter 1978/79 er­in­nern, als in den Braun­koh­le­ta­ge­bau­en die Koh­le in den Wag­gons der Gru­ben­bah­nen fest­fror. Fol­ge war, daß die Kraft­wer­ke zu we­nig Strom er­zeug­ten, wes­halb man, um den kom­plet­ten Aus­fall des Strom­net­zes zu ver­hin­dern, ganz Thü­rin­gen ab­schal­te­te.[17] Mög­lich wäre, den feh­len­den Strom aus dem Aus­land zu be­zie­hen. Es gibt dazu aber auch an­de­re Mei­nun­gen. Für so ein Sze­na­rio braucht man ge­nü­gend Vor­lauf­zeit, um zu er­ken­nen, daß die Ab­schal­tung un­ver­meid­lich wird. Es gibt aber Er­eig­nis­se, die nicht vor­her­seh­bar sind. Die Netz­steue­rung wird be­reits jetzt im­mer schwie­ri­ger[3], je grö­ßer der An­teil des schwan­ken­den Wind- und So­lar­stroms an der Ge­samt­er­zeu­gung wird, für den die Lei­tungs­net­ze auch noch aus­ge­baut wer­den müs­sen. Kommt jetzt die Un­ter­bre­chung ei­ner Hoch­span­nungs­lei­tung durch Sturm, Eis­bruch oder ähn­li­ches dazu, dann kann es durch­aus sein, daß man nicht mehr schnell ge­nug dar­auf rea­gie­ren kann.

– geplante Leitungsunterbrechung Meyerwerft
– Stromausfall Spanien u. Portugal
– Strompreise Merit-Order-Prinzip, wodurch der Strom teurer wird als wenn viel Windstrom im Netz ist, wo bei zwei Aspekte unter den Tisch fallen, zum einen daß die konventionellen Kraftwerke nicht ausgelastet werden, siehe oben, und die CO2-Umlage, was beides politisch gewollt ist. Zum anderen, daß der Börsenpreis bei Überangebot an Windstrom sinkt. Zum Vergleich müßten also die Stromerzeugungskosten herangezogen werden, nicht der Börsenpreis.

Quellen

Da manche URL nicht nach Per­ma­nent-URL aus­se­hen, habe ich das ggf. noch als PDF bzw. als ODS-Ta­bel­le ge­spei­chert. Die PDF teils auch per Um­weg über eine ODS-Ta­bel­le, wenn die Druck­ver­sion der Sei­te wie bei 4. kein brauch­ba­res Er­geb­nis zeig­te.

  1. Sta­ti­sti­sches Jahr­buch 2019 - Ka­pi­tel 22 Ener­gie, hier als PDF ge­spei­chert
  2. Brut­to­strom­er­zeu­gung in Deutsch­land für 2018 bis 2020, hier als PDF ge­spei­chert
  3. ZDF-Do­ku Black­out – Hor­ror­sze­na­rio oder rea­le Ge­fahr? Vi­deo dort ver­füg­bar bis 01.08.2024
  4. Ein- und Aus­fuhr von Elek­tri­zi­tät 2003 bis 2021, mit ei­ner zu­sätz­li­chen Ge­samt-Spal­te als PDF und ODS
  5. Ko­ali­tions­ver­trag Bun­des­re­gie­rung 2021, hier als PDF ge­spei­chert
  6. Wind­ener­gie in Deutsch­land - Zah­len und Fak­ten als PDF an Land, Off­shore, Grund­la­ge der Ta­bel­le als PDF, dort auch als CSV ver­füg­bar
  7. Sta­ti­sti­sches Bun­des­amt, Ver­wen­dung und Auf­kom­men von Ener­gie, An­ga­ben für 2018 lo­kal ge­spei­chert als PDF und ODS-Ta­bel­le
  8. You­tu­be – 10 E-Mo­to­ren-Irr­tü­mer
  9. Strom-Re­port Zah­len. Da­ten. Fak­ten.
  10. https://www.tennet.eu/de/projekte/nordlink
  11. https://de.wikipedia.org/wiki/Übertragungsverlust
  12. Windkraft-An­la­gen wa­ren im 1. Halb­jahr 2021 zu 21 % aus­ge­la­stet, Pres­se­mit­tei­lung des Sta­ti­sti­schen Bun­des­amts vom 21. Ok­to­ber 2021, hier als PDF ge­spei­chert
  13. https://de.wikipedia.org/wiki/Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk
  14. Ha­ben Wind­kraft­an­la­gen Einfluss auf un­ser Wet­ter? – MDR
  15. de.statista.com
  16. de.globalpetrolprices.com
  17. Vor 40 Jah­ren gin­gen in Thü­rin­gen die Lich­ter aus – elektromuseum.de
  18. zum Kli­ma­schutz­ge­setz auf Bundestag.de
  19. Pho­to­vol­taik – Umweltbundesamt
  20. BioWasserstoff.de auf www.staff.hs-mittweida.de, alle Sei­ten als PDF, und Bio­lo­gi­sche „Elek­tro­ly­se“ durch Mi­kro­al­gen (PDF)
  21. op-marburg.de (jetzt nur noch auf fotohits.de), im Netz fin­den sich wei­te­re Fo­tos
  22. ARD-Plusminus-Video Aus­schnitt aus der gan­zen Sen­dung, die hier noch ver­füg­bar ist, ge­fun­den in Wind­rä­der – Ein Paar Fak­ten zur Ret­tung des Kli­mas
  23. Läuft die Kli­ma­schutz­po­li­tik aus dem Ru­der? – Zeit für eine Neu­be­sin­nung. (PDF)
  24. der deutsche CO2-Ausstoß im Vergleich auf ourworldindata.org

Letzte Änderung am 24.1.2023
© Steffen Buhr